Große Sprünge

Es ist ein kühler Morgen in den Wäldern rund um den Troppberg. Am äußersten Rand meines Blickfeldes hüpft es plötzlich. Ein winziger Frosch versucht, einen mit Sternmoos bewachsenen, steilen Hang zu erklimmen. Vor wenigen Wochen noch hat er seine Kindheit als Kaulquappe in einem lehmigen Tümpel verbracht. Jetzt versucht der Springfrosch – von jugendlichem Leichtsinn getrieben – seinen ersten Gipfelsieg zu erringen. Für das kaum 2 cm kleine Tier ein ähnlich gefährliches Unterfangen wie eine Mount Everest -Bezwingung. Seine gewohnte Fortbewegungsart, das Springen, bringt ihn auf der Steilwand nicht weiter. Immer wieder rutscht er ab, droht abzustürzen. Daher versucht er sich als Kletterer ohne Seil und Karabiner. Mühsam bahnt er sich seinen Weg nach oben. Testet die Funktionstüchtigkeit seiner Lungen, die sich erst vor kurzem aus den Kiemen entwickelt haben, bis zum Äußersten. Mit letzter Kraft schafft er es doch noch. Zeit, auszuruhen bleibt nicht. Der Schrei eines hungrigen Vogels lässt den kleinen Frosch einen unglaublich großen Satz machen. Davongekommen, für heute.

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