November-Farben

Wer glaubt, im November sei der Wald nur grau in grau, der irrt. Und wer denkt, dass die Pilzsaison nur von Juli bis September dauert, liegt ebenso falsch. Die Pilze zeigen sich das ganze Jahr über in ihren unzähligen Erscheinungsformen. Wenn das bunte Laub schon fahl und grau am Waldboden liegt, erscheinen besonders farbenprächtige Exemplare wie der Goldfell-Schüppling, der in charakteristischen Büscheln an den Stämmen lebender oder bereits abgestorbener Laubbäume wächst. Diese harmonische Ansammlung von Einzelindividuen lässt an soziale Systeme denken. Auch wir stehen nicht alleine im Wald, sondern sind umgeben von anderen, uns nahestehenden Personen. Von Familienmitgliedern, Freunden und Arbeitskollegen. Zeichnen Sie doch einmal so eine Gruppe von Pilzen auf ein Blatt Papier und schreiben Sie Namen in die Hüte. In meiner Praxis verwende ich diese Übung, wenn sich jemand gerade einsam und isoliert fühlt, vom Novembernebel eingehüllt ist und kaum mehr etwas wahrnehmen kann. Meist gelingt die Überraschung und der Einsame erkennt, dass seine benachbarten Pilze viel bunter und zahlreicher sind als er je gedacht hätte.

Schwammerl-Cartoons

Der Wald strahlt meist etwas Ehrwürdiges, Erhabenes aus, doch manchmal zeigt er auch sein humorvolles Gesicht. Derzeit sprießen die seltsamsten Pilze aus dem Boden. Heute bin ich welchen begegnet, die verdächtig danach aussehen, den mir seit meiner Kindheit bekannten Cartoonisten Mordillo inspiriert zu haben. Die Welt der Pilze ist für uns Menschen aber noch so geheimnisvoll und wenig erschlossen, dass es möglicherweise auch genau umgekehrt sein könnte. Vielleicht sind die „narrischen Schwammerl“ in Wahrheit hochintelligente Lebensformen, die in ihrem ausufernden Wurzelgeflecht, dem Myzel, über Datenleitungen verfügen, im Internet surfen, chatten oder eben Comics lesen. Mordillo könnte bei ihnen so gut angekommen sein, dass sie beschlossen haben, die Gestalt seiner knollennäsigen Figuren anzunehmen. Und vielleicht hören sie ja sogar unser unbeschwertes Lachen, das durch den Buchenwald hallt.

Geheime Plätze

Jeder Pilzfreund hütet „seine“ Plätze wie einen Schatz, hält sie geheim, verrät sie nicht einmal seinen allerbesten Freunden. So will es die Legende. Die Wahrheit ist: es gibt nur große Verbreitungs-gebiete, aber keine festgeschriebenen Plätze, an denen Pilze zu finden sind. Man kann sie in keiner Karte einzeichnen, sie nicht via GPS orten und ebenso wenig mit der Wünschelrute aufspüren. Zu abhängig sind die begehrten Fundstücke von Temperatur und Niederschlag. Tauchen in einem guten Jahr auf wie aus dem Nichts, um sich im nächsten niemals blicken zu lassen. Wer das Glück hat, in einer Gegend zu leben, die zumindest im Verdacht steht, Pilze hervorbringen zu können, braucht eigentlich nur der Nase nach zu gehen. Mit dieser Methode habe ich heute beim Wandern Steinpilze, Maronenröhrlinge und Parasole gefunden. 

Wienerwald – Schwammerlstrudel

300 g gemischte Pilze blättrig schneiden und in wenig Butter, in der man zuvor 1/2 gehackte Zwiebel glasig angeschwitzt hat, braten. 300 g gekochte, zerdrückte Kartoffeln mit den Pilzen mischen, überkühlen lassen. 2 ganze Eier dazurühren, kräftig salzen und pfeffern. Die Masse in Blätterteig einrollen (entweder selbstgemacht aus 250 g Mehl, 200 g Butter, einer Prise Salz und ein wenig kaltem Wasser oder TK-Teig), Strudel mit Eigelb bestreichen und ca. 30 Minuten bei 200 Grad im Ofen backen.

Seelenwärmer

Kartoffel-Pilzsuppe aus dem Wienerwald

Dieses Rezept beginnt mit einem Waldspaziergang. Tief durchatmen und den Geruch von Pilzen wahrnehmen, dann dem Urinstinkt des Sammlers in uns folgen. Wenn alles klappt, kehren wir mit ein paar schönen Steinpilzen nach Hause zurück. Am besten schmeckt dieses Gericht mit getrockneten Pilzen. Für 4 Personen geben wir 40 g davon in eine Tasse mit lauwarmem Wasser, schneiden 400 g Kartoffeln in Würfel, 1 Karotte, eine gelbe Rübe und ein Stück Knollensellerie in kleine Stücke. In ein wenig Butter schwitzen wir eine halbe gehackte Zwiebel an, dazu das Wurzelgemüse, dann mit Mehl stauben, die Kartoffeln kurz mitrösten. Mit ca. 1/2 l Wasser aufgießen. Auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis die Kartoffeln durch sind. Dann salzen, pfeffern und die getrockneten Pilze (mit dem Einweichwasser) dazu geben. 10 min ziehen lassen, damit sich das Aroma voll entfalten kann. 

Tipp: keine Creme fraiche und keine Kräuter hinzufügen. Nur so bleibt der typische Pilzgeschmack erhalten.

Steinpilz-Magie

Lieber Wald ! Ich habe  meinen Gästen oft Kartoffelsuppe mit Pilzen serviert. Sie ist ein wahrer Seelenwärmer und kommt immer gut an. Meine Vorräte an getrockneten Pilzen neigen sich dem Ende zu. Es wäre schön, wenn Du mir die Möglichkeit geben würdest, sie wieder aufzufüllen. Damit ich noch mehr Menschen mit dem  Aroma der wundersamen Waldgewächse verwöhnen kann… Der Wald hat meine Wünsche erhört: gestern tauchte beim Spaziergang wie aus dem Nichts ein prachtvoller, riesengroßer Steinpilz vor meinen Augen auf. Die hauchdünnen Steinpilzscheiben trocknen schon und erfüllen das ganze Haus mit ihrem unvergleichlichen Duft. Danke, Wald !