Holunderblüten-Sirup nostalgisch

Die Nase verrät es beim Spaziergang: die Blüten an den Holundersträuchern am Wegesrand öffnen sich und geben ihr unvergleichliches Aroma frei.

HolunderBlüte

Zeit, das über Generationen in unserer Familie weitergegebene Rezept hervorzuholen.

HollerRezeptbuchHandgeschrieben, altbewährt und so simpel, dass es wirklich jeder nachmachen kann. Zuerst brauchen wir einen Korb und eine Gartenschere. Die Blüten sollten sich gerade erst geöffnet haben, dann haben sie den stärksten Duft und wir können sie verarbeiten, noch bevor die Blattläuse sich an ihnen festsaugen.

DAS REZEPT:

40 Holunderblüten

4 Liter Wasser

4 kg Zucker

4 unbehandelte Zitronen

100 g Zitronensäure

Blüten handverlesen und wenn nötig „Getier“ entfernen, aber keinesfalls waschen. In einem entsprechend großen Gefäß schichten wir abwechselnd Blüten und Zucker, dann streuen wir die Zitronensäure darauf. Die Zitronen in Scheiben schneiden und dazu geben. 4 Liter Wasser hinzufügen. Über Nacht stehen lassen, zwischendurch 2 – 3 Mal mit einem Holzkochlöffel umrühren, damit sich der Zucker löst.

HolunderSirup

Am nächsten Tag bereiten wir geeignete Flaschen (ab besten mit Schraubverschluss), ein sauberes Geschirrtuch und einen Trichter vor. Der Sirup wird so vorsichtig in die Flaschen gefüllt.

HolunderTrichter

Fertig! Der Sirup ist ca. ein Jahr haltbar, also bis zur nächsten Holunderblüte. Köstlich mit Wasser verdünnt als Limonade, heilsam als Heißgetränk gegen Erkältungen oder als überraschender Aperitif „Holunder-Secco“.

HolunderFlaschen

Gleich aufbrechen zum Holunderblüten-Spaziergang und selbst feststellen, wie einfach es ist, sich die Geschenke der Natur nach Hause zu holen. Gutes Gelingen!

Mehr Holunder:

Advertisements

Wildgemüse im Schlafrock

Manche Menschen träumen von einem Haus, besser noch von einer Villa, umgeben von einem giftgrünen Rechteck, in dem sich ein kleineres, tiefblaues befindet. Freunde englischen Rasens und türkisfarbener Swimming Pools werden an diesen Gewächsen wohl keine Freude haben und sie schnöde als „Unkraut“ bezeichnen. Im Naturgarten dürfen sie wachsen und nach Herzenslust geerntet werden. Giersch oder Vogelmiere schmecken so gut, dass sie den Namen „Edelgemüse“ verdient haben. Noch mehr Arten finden wir jetzt im Frühling bei einem Waldspaziergang.

FrühlingswaldAm Bachufer ernten wir Bärlauch, am Wegesrand wachsen junger Giersch und zarte Vogelmiere, auf einer Wiese pflücken wir Löwenzahnblätter. Immer mehr Frühlingskräuter und Wildgemüse wandern in unseren Korb.

Wildgemüse

Das Grün wird in einem Sieb kurz abgespült, abgetropft und grob gehackt. In eine Pfanne mit heißem, hochwertigem Olivenöl geben und so lange rühren, bis die meiste Flüssigkeit verdampft ist. Kurz auskühlen lassen, salzen, pfeffern und ein paar Löffel Rahm oder Creme Fraiche hinzufügen. Bereits vorbereitete Blätterteig-Quadrate (kann fertig gekaufter Teig sein) damit füllen, zu Dreiecken zusammenklappen, Ränder gut andrücken, die Taschen mit Ei bestreichen – und ab in den Ofen. Ca. 20 min bei 200 Grad goldbraun backen. Mit Löwenzahnsalat (gerne mit steirischem Kürbiskernöl) anrichten. Dazu passt ein Glas kräftiger Weisswein.


Dieses natürlich-exklusive Frühlingsmenü schmeckt am Lieblingsplatz im Garten am besten. Auf einem „unkraut“-freien englischen Rasen habe ich es noch nie probiert.

Mehr über Wildgemüse:

On Blueberry Hill

Immer wieder staune ich darüber, was der Wald und schenkt. Diesmal sind es zahllose Heidelbeeren. Wie Teppiche wachsen sie an den bewaldeten Hängen.

Heidel- oder Blaubeeren zu pflücken braucht Zeit, doch es lohnt sich – und als Zeichen für den Fleiß, bekommt man die charakteristisch violett gefärbten Finger.

Am Wegesrand finden sich noch ein paar aromatische Walderdbeeren. Schnell ein Rührteig aus Butter, Zucker, Eiern und Mehl, Früchte darauf und ab in den Ofen.

Der Duft zieht durchs ganze Haus und aus dem Backrohr holt man das köstlichste und zum Sommerbeginn passendste Dessert, dass man sich vorstellen kann.

Beratung im Wienerwald wünscht einen schönen Sommer!

Green Stars

Die Langsamkeit, zu der uns der Schneefall der letzten Tage zwingt, ist ein wahres Geschenk, das man in der Vorweihnachtszeit sehr gut nützen kann. Backen braucht Zeit, Ruhe und Muße. Das Kneten und Rühren hat etwas Entspannendes, fast Meditatives. Das Aroma der Gewürze regt alle Sinne an, Kerzenlicht sorgt für die richtige Stimmung in der Stube. Die Klassiker unter den Weihnachtskeksen gehören einfach dazu: Vanillekipferl, Schokokugeln und Kokosmakronen. Jedes Jahr versuche ich aber auch eine neue, kreative Sorte hinzuzufügen. Diesmal sind es Kürbiskernsterne, die zur Abwechslung für einen frisch-grünen Farbtupfer auf dem Weihnachtsteller sorgen. Nehmen Sie sich die Zeit und lassen Sie Ihrer Kreativität einfach freien Lauf.

Green Stars

180 g gemahlene Kürbiskerne (restliche 20 g aus der Packung zum Dekorieren aufbewahren)

125 g Butter

150 g Zucker

ein Hauch Vanille (am besten das Mark einer echten Vanilleschote)

1 Prise Kardamom

1 Dotter

200 g Mehl

alle Zutaten zu einem geschmeidigen Teig kneten und ca. 1 Stunde im Kühlschrank rasten lassen. Auf einer bemehlten Fläche auswalken und Sterne ausstechen. Bei 180 Grad ca. 10 min im Ofen backen. Aus dem frisch gepressten Saft einer Orange und Staubzucker eine Glasur rühren, Sterne damit bestreichen und mit den restlichen gemahlenen Kürbiskernen bestreuen.

Hochgenuss

„Fast zu schade zum Essen“, dachte ich, als ich diesen formvollendeten Steinpilz im sandigen Boden fand und vorsichtig aus der Erde drehte. Er zeigte den typischen, bauchigen Wuchs, war nahezu unberührt von gefräßigen Schnecken und noch unentdeckt von Maden und Würmern. Vorsichtig trug ich ihn nach Hause, befreite ihn mit einem Pinsel vom Sand und überlegte, wie ich dieses selten schöne, aromatisch duftende Fundstück kulinarisch zum Glänzen bringen könnte. Bald stand fest: Dieser Steinpilz darf weder zerkocht noch getrocknet werden, er ist würdig – wie eine Trüffel – roh genossen zu werden. Dazu braucht es keine raffinierten Gewürze und auch keine innovativen Rezepte. Höherer Genuss durch Reduktion auf das Wesentliche: eine Formel, die nicht nur in der Küche, sondern auch im Leben erstaunliche Wirkung zeigt. Denn oft ist das Einfachste tatsächlich das Beste:

Spaghetti mit gehobelten Steinpilzen

In einem Topf mit gesalzenem Wasser kochen wir Spaghetti bissfest. Nudeln auf dem Teller anrichten, Steinpilze in hauchdünne Scheiben schneiden (entweder mit einem sehr scharfen Messer oder einem Trüffel-/Käsehobel). Pilzscheiben vorsichtig unter die Nudeln heben, feinstes Olivenöl darüber träufeln und sofort genießen.

Mehr Pilzrezepte:

Kartoffel-Pilz-Suppe aus dem Wienerwald

Wienerwald-Schwammerl-Strudel

Herbsüßer Herbst

Laut Kalender ist noch Sommer, Wind und Wetter deuten schon eher auf den Herbst hin. Der Übergang zwischen diesen beiden Jahreszeiten hat eine Menge zu bieten. Bei meinen Wienerwaldwanderungen bewundere ich gerade, wie die Spätsommersonne die verschwenderische Fülle an Früchten und Beeren so richtig zum Glänzen bringt.  Mit dem herb-süßen, schwarzvioletten Holunder können wir eine Köstlichkeit zubereiten, mit der wir die Saison der Eissalons getrost hinter uns lassen können.

Sommerabschieds-Kompott mit Lorbeer

in einen Topf geben wir 500 g Holunderbeeren, 2 säuerliche Äpfel und 2 aromatische Birnen (in Spalten geschnitten), 250 g entsteinte und halbierte Zwetschken. Wer mag, kann noch 2 geviertelte, frische Feigen dazugeben. Die Früchte bestreuen wir mit 250g braunem Zucker, übergießen alles mit 1/4 l gutem Rotwein und 1/8 l Rotweinessig. Mit 1 Zimtstange und 2-3 Lorbeerblättern würzen und aufkochen. Sobald die Fruchtmischung kocht, Herd ausschalten und Topf wegstellen. Durchziehen und abkühlen lassen.

Schmeckt zu Süßspeisen wie Kaiserschmarren, aber auch solo z.B. mit Nussbrot. Raffiniert ist es als Beilage zu Wild.

Geheime Plätze

Jeder Pilzfreund hütet „seine“ Plätze wie einen Schatz, hält sie geheim, verrät sie nicht einmal seinen allerbesten Freunden. So will es die Legende. Die Wahrheit ist: es gibt nur große Verbreitungs-gebiete, aber keine festgeschriebenen Plätze, an denen Pilze zu finden sind. Man kann sie in keiner Karte einzeichnen, sie nicht via GPS orten und ebenso wenig mit der Wünschelrute aufspüren. Zu abhängig sind die begehrten Fundstücke von Temperatur und Niederschlag. Tauchen in einem guten Jahr auf wie aus dem Nichts, um sich im nächsten niemals blicken zu lassen. Wer das Glück hat, in einer Gegend zu leben, die zumindest im Verdacht steht, Pilze hervorbringen zu können, braucht eigentlich nur der Nase nach zu gehen. Mit dieser Methode habe ich heute beim Wandern Steinpilze, Maronenröhrlinge und Parasole gefunden. 

Wienerwald – Schwammerlstrudel

300 g gemischte Pilze blättrig schneiden und in wenig Butter, in der man zuvor 1/2 gehackte Zwiebel glasig angeschwitzt hat, braten. 300 g gekochte, zerdrückte Kartoffeln mit den Pilzen mischen, überkühlen lassen. 2 ganze Eier dazurühren, kräftig salzen und pfeffern. Die Masse in Blätterteig einrollen (entweder selbstgemacht aus 250 g Mehl, 200 g Butter, einer Prise Salz und ein wenig kaltem Wasser oder TK-Teig), Strudel mit Eigelb bestreichen und ca. 30 Minuten bei 200 Grad im Ofen backen.