Hochgenuss

„Fast zu schade zum Essen“, dachte ich, als ich diesen formvollendeten Steinpilz im sandigen Boden fand und vorsichtig aus der Erde drehte. Er zeigte den typischen, bauchigen Wuchs, war nahezu unberührt von gefräßigen Schnecken und noch unentdeckt von Maden und Würmern. Vorsichtig trug ich ihn nach Hause, befreite ihn mit einem Pinsel vom Sand und überlegte, wie ich dieses selten schöne, aromatisch duftende Fundstück kulinarisch zum Glänzen bringen könnte. Bald stand fest: Dieser Steinpilz darf weder zerkocht noch getrocknet werden, er ist würdig – wie eine Trüffel – roh genossen zu werden. Dazu braucht es keine raffinierten Gewürze und auch keine innovativen Rezepte. Höherer Genuss durch Reduktion auf das Wesentliche: eine Formel, die nicht nur in der Küche, sondern auch im Leben erstaunliche Wirkung zeigt. Denn oft ist das Einfachste tatsächlich das Beste:

Spaghetti mit gehobelten Steinpilzen

In einem Topf mit gesalzenem Wasser kochen wir Spaghetti bissfest. Nudeln auf dem Teller anrichten, Steinpilze in hauchdünne Scheiben schneiden (entweder mit einem sehr scharfen Messer oder einem Trüffel-/Käsehobel). Pilzscheiben vorsichtig unter die Nudeln heben, feinstes Olivenöl darüber träufeln und sofort genießen.

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Steinpilz-Magie

Lieber Wald ! Ich habe  meinen Gästen oft Kartoffelsuppe mit Pilzen serviert. Sie ist ein wahrer Seelenwärmer und kommt immer gut an. Meine Vorräte an getrockneten Pilzen neigen sich dem Ende zu. Es wäre schön, wenn Du mir die Möglichkeit geben würdest, sie wieder aufzufüllen. Damit ich noch mehr Menschen mit dem  Aroma der wundersamen Waldgewächse verwöhnen kann… Der Wald hat meine Wünsche erhört: gestern tauchte beim Spaziergang wie aus dem Nichts ein prachtvoller, riesengroßer Steinpilz vor meinen Augen auf. Die hauchdünnen Steinpilzscheiben trocknen schon und erfüllen das ganze Haus mit ihrem unvergleichlichen Duft. Danke, Wald !